Sektion Berlin und Brandenburg

DMG Kolloquium

Prof. Dr. Dieter Scherer (Technische Universität Berlin)

Abstract:

Bereits heute sind viele Regionen atmosphärisch induzierten Belastungen und Naturgefahren ausgesetzt. Dazu zählen u.a. Starkniederschläge oder langanhaltende Niederschläge, Stürme und Gewitter, Hitze- und Kältewellen, langanhaltende Trockenperioden oder Dürren, Episoden mit erhöhter Luftbelastung, oder Situationen, in welchen kombinatorische Wirkungen (z.B. hohe Ozonkonzentrationen während Hitzewellen, Waldbrände in Dürreperioden) auftreten. Da Städte atmosphärische Prozesse in unterschiedlicher Weise modifizieren, können die genannten Probleme sowohl verstärkt als auch abgeschwächt werden. Infolge der Konzentration von Menschen und Sachwerten in Städten sind die Exposition gegenüber atmosphärischen Belastungen und Gefährdungen (Hazard) und die daraus resultierenden Risiken generell in Städten stark erhöht. Der globale Klimawandel und die mit ihm einhergehenden urbanen Klimaänderungen führen zu stadtspezifischen Klimafolgen und Klimawirkungen, die regional sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können und bis heute nur teilweise bekannt sind. Dabei spielen aber auch demographische und sozioökonomische Änderungen eine wesentliche Rolle für die Risiken, da diese die Vulnerabilität von Städten beeinflussen. Darüber hinaus wirken sich diese auch auf die Stadtentwicklung aus und verändern dadurch die stadtklimatischen Bedingungen, was wiederum Änderungen der jeweiligen Hazards mit sich bringt. Leider ist bis heute das Wissen über diese komplexen Rückkopplungseffekte in Städten begrenzt, insbesondere da es bis heute nur wenige auf städtische Skalen angepasste Langzeitmessungen gibt. Es besteht auch Bedarf an geeigneten Werkzeugen zur Ermittlung der stadtklimatisch und lufthygienisch relevanten Sachverhalte in hoher räumlicher Detaillierung sowie zur quantitativen Beurteilung der Wirkungen stadt- und freiraumplanerischer Maßnahmen zur Reduktion von Risiken sowie zur Stärkung der Resilienz von Städten durch operationelle Dienste. Nicht zuletzt bedarf es einer verbesserten thematischen und methodischen Qualifizierung von Institutionen und Personen, welche sich mit planerischen und operationellen Aufgaben der Gefahrenabwehr in Städten befassen. Das Urban Climate Observatory Berlin (UCO Berlin) soll durch eine Vielzahl von Langzeitmessungen in Berlin, die teilweise schon seit Jahrzehnten laufen, einen Beitrag zur Schließung der Daten-, Informations- und Wissenslücken leisten. Im Vortrag wird das UCO Berlin vorgestellt und dargelegt, welche laufenden und zukünftigen Kooperationsmöglichkeiten in Forschung und Lehre sich daraus ergeben können, insbesondere auch im Hinblick auf zukünftige gemeinsame Aktivitäten der TU Berlin, der FU Berlin und der HU Berlin unter dem Dach der Berlin University Alliance.

Infobox

Datum 13.05.2019

Zeit 15:15 Uhr

Ort Institut für Meteorologie
Carl-Heinrich-Becker-Weg 6-10,
12163 Berlin

Hörsaal / Raum R186